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Paludikultur – Klimaschonende Bewirtschaftung von Moorböden

Paludikultur kann eine klimaschonende Alternative zur Nutzung entwässerter Moorböden darstellen. Ein Paludi-Produktkatalog soll einen Überblick über Produkte, Prototypen und Dienstleistungen geben.


Intensiv genutzte und entwässerte Moorböden stellen aufgrund des Abbaus organischer Substanz, verbunden mit der Freisetzung von CO2, eine wesentliche THG-Emissionsquelle dar. Daher wird auf kohlenstoffreichen Böden eine Anhebung der Wasserstände und eine Reduktion der Nutzungsintensität angestrebt. Durch eine mit der extensiven Nutzung in der Regel einhergehende reduzierte Nährstoffgabe verringern sich zudem die Lachgasemissionen, eine weitere Treibhausgasquelle auf intensiv genutzten Moorstandorten. Ein ganzjährig nahe an der Bodenoberfläche gehaltener Wasserstand und die Vermeidung von Düngung und Bodenstörungen können zur Erhaltung des Torfkörpers oder sogar zur Torfneubildung beitragen und dadurch die Freisetzung von Treibhausgasen (THG) minimieren. Neben dem positiven Beitrag zum natürlichen Klimaschutz spielen entsprechende Maßnahmen zudem eine besondere Rolle für

  • den regionalen Wasserhaushalt,
  • die Steigerung der Biodiversität,
  • die Verbesserung des lokalen Klimas und
  • die Verbesserung der Wasserqualität durch die Filterfunktion der Pflanzen und Verringerung des Eintrags von Pflanzenschutz- und Düngemitteln.


Auf Böden, die nach der Wiedervernässung weiterhin land- oder forstwirtschaftlich genutzt werden sollen, bedarf es torfschonender Nutzungsalternativen.

„Paludikultur“ umfasst eine solche Form der nachhaltigen Land- und Forstwirtschaft auf nassen und wiedervernässten kohlenstoffreichen Böden, insbesondere auf Moorböden. Der Begriff setzt sich aus den Wörtern „Paludi-“ (lat. „Palus“ = Sumpf, Moor) und „Kultur“ (im Sinne von „Landwirtschaft“) zusammen.

Paludikulturen sind Dauerkulturen, bei denen ausschließlich die oberirdische Biomasse genutzt wird. Es wird zwischen Nasswiesenbewirtschaftung und Anbau‐Paludikulturen unterschieden.


Nasswiesen

Im Gegensatz zu Anbau-Paludikulturen entwickelt sich der Pflanzenbestand auf Grünlandflächen nach Einstellung von flurnahen Wasserständen erst mit der Zeit zu standorttypischen, nässetoleranten Nasswiesenarten, wie Seggen oder Rohrglanzgras. Diese Standorte bestehen meist aus heterogenen Vegetationsbeständen und werden als extensive Nassmähwiesen oder Nassweiden (Beweidung z.B. mit Wasserbüffeln, Robustrindern oder Gänsen/Enten) genutzt. Eine Beweidung mit Büffeln, Rindern oder anderen Klauentieren bedingt aber auch das Vorkommen von trockenen Bereichen, wie beispielsweise mineralische Durchragungen, um Klauenerkrankungen vorzubeugen. Grundsätzlich eignet sich der Nasswiesenaufwuchs auch als nachwachsender Rohstoff und findet beispielsweise in der Herstellung von Dämmmaterial eine Anwendung.


Anbau-Paludikultur

Als Anbau-Paludikultur wird der standortspezifische Anbau von geeigneten Pflanzenarten wie Rohrkolben, Schilfrohr, Seggenried, Rohrglanzgras, Erlen oder Torfmoosen verstanden, die gezielt gepflanzt, gesät oder anderweitig ausgebracht werden. Dieses ist i. d. R. mit einer entsprechenden Bodenbearbeitung verbunden.

Bei der Umstellung der Flächennutzung auf Paludikultur ist es wichtig, die Verarbeitung und Vermarktung des Erntegutes mitzudenken. Ein traditionelles Beispiel für den Einsatz von Paludikulturen ist der Anbau von Schilfrohr für Dacheindeckungen. Aktuellere alternative Verwertungsformen sind u.a. die energetische Nutzung von Nasswiesenaufwuchs oder Erlen-/ Weidenholz, die stoffliche Verwertung von Rohrkolben und Schilfrohr für neue Baustoffe oder die Kultivierung von Torfmoosen als Torfersatz in Gartenbausubstraten.


Paludi-Produktkatalog

Um einen Überblick über Produkte, Prototypen und Dienstleistungen, die in Verbindung mit der Nutzung nasser oder wiedervernässter Moorböden stehen, zu ermöglichen, wird auf Initiative der Partner im PaludiNetz (Link siehe untenstehend) ein Paludi-Produktkatalog entwickelt. Wer ein Produkt im Katalog platzieren möchte, kann das Katalogteam direkt kontaktieren (per E-Mail: produktkatalog@greifswaldmoor.de).


Fazit: Paludikultur kann eine klimaschonende Alternative zur Nutzung entwässerter Moorböden darstellen. Durch Wiedervernässung und angepasste Bewirtschaftung lassen sich Treibhausgasemissionen reduzieren und zugleich Biodiversität, Wasserhaushalt und Wasserqualität verbessern. Nasswiesen und gezielt angebaute Paludikulturen können eine nachhaltige land- und forstwirtschaftliche Nutzung mit vielfältigen Verwertungsoptionen ermöglichen.


Weitergehende Informationen zum Thema (Anbau-)Paludikultur finden Sie u.a. hier:

Nds. Kompetenzstelle Paludikultur

MoorIS-Paludikultur

Moorwissen-Paludikultur

PaludiZentrale/PaludiNetz

toMOORow: Verbundvorhaben „PaludiAllianz“

Artikel-Informationen

erstellt am:
08.01.2026

Ansprechpartner/in:
Frau Fenja Lappenberg

Amt für regionale Landesentwicklung Weser-Ems
KoMoor
Theodor-Tantzen-Platz 8
26122 Oldenburg
Tel: +49 441 9215-423

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